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So far from home – von Привiт bis Будьмо

Posted by on November 14, 2012

Montag morgen, 29.10.12 6:26, Flughafen Hamburg Lübeck

Diesmal geht es nach Kiew zum guten Vitali den ich in Norwegen kennen gelernt habe (und zu Vitali Nummer 2, auch aus Kiew und in Norwegen kennengelernt). In freudiger Erwartung darauf was mich hinter dem ehemaligen eisernen Vorhang so erwartet (das östlichste das ich bis jetzt gesehen hab ist Leipzig) sitze ich hier am Flughafen (das heisst in einem ziehmlich schlecht beheizten Zelt wtf…) und warte darauf das WizzAir mich aufgabelt. Etwas mulmig ist mir ehrlich gesagt schon zumute aber wie immer wird denke ich schon alles gut laufen.

Und nun, einige Wochen später, weiss ich das alles wieder einmal mehr als nur gut gelaufen ist :) Und ich muss echt sagen, dass ich mich in meinem ganzen Leben noch nie so weit weg von zuhause gefühlt habe! Ein ziehmlich befremdliches Gefühl kam zum ersten Mal bereits in Lübeck am Flughafen auf, als die Leute um mich herum aufhörten Deutsch, Englisch oder irgendeine andere Sprache zu sprechen von der ich mehr als drei Wörter verstehe. Auch vermisste ich plötzlich diverse andere altbewährte deutsche Gewohnheiten. Hierzu zählte zum Beispiel die Fähigkeit das hintere Ende einer Schlange zu erkennen und sich dann auch dort anzustellen und nicht einfach dran vorbei zu latschen und sich dann wie selbstverständlich vor einen zu stellen. Ebenfalls scheint es da drüben erblich bedingte Probleme mit der Gesichtsmuskulatur zu geben, da so gut wie niemand in der Lage ist auch nur im Ansatz einen freundlichen Gesichtsausdruck anzunhemen.

Das Bild verschärfte sich weiter als mein Flieger zur Landung in Kiew ansetzte – es ist HAGENAU so wie ihrs euch alle vorstellt! Megaheruntergekommene Strassen, ausserhalb des Stadtinneren überall verlassene Baustellen und Ruinen alter Häuser oder Fabrikgebäude. In und um die Stadt herum wuchern die gigantischen Plattenbauviertel so weit das Auge reicht. Und ausser dem Stadtzentrum und dem inneren der Häuser ist alles im Sowjetstyle – auch wenns nur 50 Jahre alt ist siehts aus wie 200 und seit dem Bau hat sich niemand mehr auch nur im Ansatz dafür interessiert wies aussieht. Genaugenommen muss man eigl auch sagen ab der Mitte des Baus, da die Hälfte nicht einmal fertiggestellt ist (siehe zum Beispiel Bilder des Rohbetonflurs vor Vitalis Appartment). Generell kann man die Mentalität da drüben ganz gut mit “They don’t give a shit” zusammenfassen. Klingt übertrieben? Ne halbe Stunde nach meiner Ankunft wollten wir zu Fuß einen Ampelüberweg überqueren. Es war grün für uns und rot für die Autos aber das heisst hier gar nichts. Als wir grad losgehen wollten entschied sich der Fahrer vonnem Auto in der größe eines Q5, welcher aber wenigstens vor der roten Ampel gehalten hatte (auch nicht selbstverständlich), einfach mal spontan auf dem Fußgängerüberweg zu wenden. Generell muss man immer aufpassen da vielen Leuten die Ampeln schlichtweg egal sind. Auch Fußwege unterscheiden sich hier in ihrer Funktion leicht von Unseren… Ist irgendwo Stau und man muss schnell wo hin fährt man halt auf dem Fußweg weiter. Passen den Leuten die Bremsschwellen nicht werden hier einfach ein paar Elemente demontiert und mitgenommen, sodass man eine Spur hat auf der man schnell durchfahren kann. Bekommt die Polizei mal was mit werden einheitliche Schmiergelder nach Katalogpreisen bezahlt :D

Dazu kommt das niemand (ausser der den Leuten die ich durch Vitali kennen gelernt habe) auch nur 2 Worte Englisch konnte. Das heisst ohne ihn oder Vitali Nummer 2 wäre ich ganzschön aufgeschmissen gewesen (gibt in Kiew nichtmal ne Touristeninformation).
Also ihr seht schon, für mich der noch nie östlicher als in Leipzig unterwegs war, kam das alles schon ganzschön krass.
Aber auch wenn das jetzt alles so schlimm klingt hab ichs einfach nur mega gefeiert. Das keiner der Leute die man nicht kannte mal im Stande war zu lächeln empfand ich zwar als relativ traurig aber über den ganzen Rest hab ich mich köstlich amüsiert :D

An dieser Stelle sei auch gesagt, dass die meissten da mit ihrer Lage alles andere als glücklich sind (vor allen Dingen die Leute die mal für längere zeit in Europa waren). Daneben laufen da auch viele noch viel ernsthaftere Dinge scheisse wie zum Beispiel die 80 Jahre alten Babuschkas, die für 2 Euro die Stunde putzen gehen müssen, um sich am Leben zu erhalten. Dürfte denke ich auch einer der Gründe sein warum niemand mehr lächelt. Naja, aber das nur am Rand erwähnt.

Bei den ganzen grad erwähnten Dingen bin ich umso glücklicher das der lächelnde(!) Vitali mich am Flughafen gleich direkt im Ankunftsbereich in Empfang nahm und ich mich somit gleich in guten Händen fühlte. Womit wir zum nächsten prägenden Teil meines Ukraineaufenthaltes kommen: Die unglaubliche Gastfreundlichkeit! Kaum waren wir beim Einfamilienhaus seiner Eltern (etwas ausserhalb von Kiew) angekommen, öffnete seine Mutter die Tür und neben dem herzlichen Empfang schlug mir gleich der Geruch von Essen entgegen. Dies sollte sich noch einige Male wiederholen (so ziehmlich jedes mal wenn wir dort ankamen). Seine Ma stand ausnahmenslos jedes mal wenn wir kamen in der Küche und servierte uns ein Dreigängemenu. Erst gabs etwas ähnliches wie “Bursch” (traditionelle ukrainische Suppe), dann meisst gebratenen Reis mit Fleisch und panierten Pilzen und zum Nachtisch Pfannkuchen. Dazu sei gesagt das in Osteuropa sowie in Russland und der Ukraine die Emanzipation der Frauen noch nicht ganz so Einzug gehalten hat und sie von daher noch primär für den Haushalt und damit für das Wohlergehen der Familie zuständig sind. Aber auch in allen anderen Bereichen war jeder (inklusive Vitalis Freunden und Vitali 2) bemüht mir viel von der Stadt zu zeigen und mir generell einen angenehmen Aufenthalt zu ermöglichen. Entgegen der Leute die man nicht kannte waren Vitalis Freunde also auch alle sehr interessiert, freundlich und bemüht Englisch zu sprechen auch wenn es nicht allen ganz leicht fiel. Ob es nun eine unserer diversen Stadtführungen, Kirchenbesichtigungen, Kunstausstellungsbesuche, LaserTag-Spiele (Muhahaha!), Billiardspiele, Saufgelage, Staatsoperbesuche, Restaurantbesuche oder meinem Gastvorstrag an Vitali Nummer 2s Universität (Muhahaha2!) war, immer hat man versucht mich gut zu unterhalten. Und das haben sie auch verdammt gut hinbekommen!
Alles in allem war es also mal wieder ein grandioser Trip auf dem ich viele Leute kennen gelernt, viel Kultur erlebt, viel Spaß gehabt und mich sehr gut aufgehoben gefühlt hab.
Leider habe ich diesmal von den meissten Dingen keine Bilder oder nur 1080p Videos gemacht, von daher sei gesagt das ich noch erheblich mehr erlebt hab als hier jetzt beschrieben wird oder an Bildern zu sehen ist aber es is nunmal wies is…

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