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Was ging so ab in Karratha?!

Posted by on Mai 19, 2013

Zu erst mal Entwarnung: Es is hier mittlerweile um einiges erträglicher als während der ersten Tage. Die meissten Leute sind eigentlich komplett in Ordnung und super liebe Menschen. Das Hostel ist zwar immer noch ein Dreckloch aber die Atmosphäre ist super und nachdem ich nach zwei Wochen mit dem ersten Job abgeschlossen hatte war auch wieder genug Kohle da, um für den nächsten Monat sorgenlos über die Runden zu kommen.

Soll heissen, dass ich gleich am ersten Tag meiner Jobsuche nen Job als „Fahrzeugaufbereiter“ in einer Busvermietung gefunden habe. Hier putzte ich für zwei Wochen (a 40 Stunden) Busse und bekam dafür 25 Dollar pro Stunde. Denke das war ein ganz guter Start :)
An dieser Stelle machte ich dann die ersten Erfahrungen mit der „echten“ australischen Auffassung von Arbeitssicherheit. Jetzt weiss ich auch warum die sich hier mit ihrer WhiteCard (Berechtigung um in einer „Construction Area“ arbeiten zu dürfen) so anstellen…
Meine erste Arbeitsverletztung war ein kleiner Schnitt am Daumen, den ich mir zuzog als ich einen Bussitz von unten putzte und an einer Feder hängen blieb. „Safety first“ strazte ich also zu meiner Vorgesetzten und fragte nach einem Pflaster und Alkohol zum desinfizieren. Diese führte mich dann in den Chemikalienraum, in dem zwar bestimmt 20 halb aufgebrauchte und abgelaufene „Erste Hilfe Kits“ rumlagen aber leider kein Desinfektionsspray oder Alkohol oder was auch immer zu finden war. Eine Minute später kam sie dann mit einer recht großen Flasche wieder, auf der dick und fett von „Desinfection“ die Rede war. Ohne der Aufschrift weitere Aufmerksamkeit zu widmen (ich meine ich hab die grad von meiner OHS (Occupational Health and Safety Inspector) in die Hand gedrückt bekommen) schraubte ich also den Sicherheitsverschluss ab und kippte das Zeug auf die offene Wunde…
Mhhh, brennt jetzt aber doch ganz schön doll… Zur Sicherheit warf ich dann doch noch mal einen Blick auf die Flasche, wobei mir auffiel, dass es sich hierbei weniger um medizinisches Desinfektionsmittel, als viel mehr um ein ätzendes Scheuermittel für Krankenhäuser handelt. Okay, ungut – ätzend = Säure – also ab zum Waschbecken und das Ganze mit Seife neutralisieren – wir haben ja im Chemieunterricht alle aufgepasst. Als sich das als wenig effektiv entpuppte fiel mir wieder ein wie unsere Chemiestunden bei der Seifert-Weber damals ausgesehen hatte. Kein Wunder dass das nix wird >.< Nochmal auf die Flasche geguckt und festgestellt, dass das Scheuermittel alkalisch ist, logisch das die Seife das dann nicht unbedingt besser macht… Da besagte OHS bereits über alle Berge war, spülte ich die Wunde einfach weiter mit Wasser aus, bis es dann irgendwann besser wurde und gab mich damit zufrieden.

Okay, vielleicht lag das jetzt nur an ihr, wollen wir ja nicht gleich pauschalisieren. Nach dem nächsten Vorfall wurde ich allerdings nachdenklich.

In der Lagerhalle befindet sich an der Vorderwand eine Art Mezzanin (ein offenes höher gelegenes Stockwerk). Der Boden besteht aus 2 – 3cm dicken Pressholzplatten, welche in einem Abstand von etwa einem Meter auf Stahlträgern aufliegen und trägt Dinge wie Bussitze oder Karosserieteile. Einen stabilen Eindruck machte mir das Ganze von Anfang an irgendwie nicht aber richtig verunsichert war ich, als ich das erste Loch im Boden entdeckte, was lediglich mit einer Sperrholzplatte abgedeckt war. Hier war wohl vor ner Woche schon einer mit einem Bein eingebrochen, als er was Schweres getragen hat. Naja, die werdens schon wissen, ich werd da oben nichts Schweres durch die Gegend schleppen dachte ich mir…

Eines Tages hievten wir dann einen Doppelsitz in Richtung des besagten Stockwerks, welcher vom eh schon gut gebauten Drake (oder Brad oder wie auch immer der Typ hieß) entgegen genommen wurde. Kaum hatte er ihn entgegen genommen brach gleich mal son ganzer Quadratmeter unter seinen Füßen weg und der Sitz kam uns wieder entgegen. Halb auf dem Stahlträger sitzend und mit einem Bein im darunter liegenden Stockwerk hängend, schaffte er es zum Glück noch den Sitz weit genug hoch zu ziehen, um ihn vor dem herunterfallen zu sichern. Wie man sich vorstellen kann, sah weder sein Bein noch der Boden aus, als wenn sie das noch ein zweites mal aushalten würden. Nachdem wir dann alle herzlich gelacht haben (was ja völlig okay ist) entschieden sich zu meinem entsetzen allerdings alle (inklusive Chef und OHS, welche grad zufällig vorbei kame) da auch einfach ne Sperrholzplatte drüber zu nageln. Bin ich mal gespannt, wann sich der erste das Genick bricht >.<

Wie dem auch sei, zwei Wochen später fand ich den nächsten Job als „Trade Assistant“ auf nem Boot ungefähr 20 Kilometer vor Dampier. Mieseste Nachtschichten die ich je geschoben hab :D Drei Tage lang, 15 Stunden pro Nacht männlichste Stahlarbeiten verrichten (bis auf die ersten 6 und die letzten 4 Stunden). Neben nem Frühstück, einmal Kochen und Essen und dem Arbeitswegen blieben mir pro Tag noch entspannte 6 – 7 Stunden zum Schlafen .. von 8 Uhr morgens bis 2 Uhr Mittags. Zugegeben warens nun nicht gerade die erholsamsten Tage aber dafür recht lukrative… Bei 40 Dollar für die ersten 10 Stunden und 50 für jede Weitere, lag ich am Ende bei über 2000 Dollar in 3 Tagen. „Fair enough“ sagt der Aussie…
Und wem hab ich diesen Job zu verdanken? Den komplett bekloppten australischen Sicherheitsvorschriften! Das australische Gesetz besagt nämlich, dass jedes Wesen das irgendwo schweisst einen Assistenten haben muss (den so genannten Fire Spotter – siehe vorheriger Post), der mit einem Feuerlöscher hinter ihm steht und aufpasst das kein Brand ausbricht. Und das hab ich die ersten 6 Stunden gemacht, rum gestanden und aufgepasst das kein Brand ausbricht :D
Vor allem wo ich gestanden hab :D Mitten auf dem Boot, etwa 30m x 30m freie Fläche und das Deck bestand ausschließlich aus Stahl, was zur Hölle soll denn da brennen? Naja, irgendwann wurd mir das dann zu blöd (stellt euch vor ihr müsst mitten in der Nacht 6 Stunden lang auf der Stelle stehen, das ist alles andere als angenehm) und ich hab angefangen Schweissnähte vorzubereiten (z.B. Korrosion weg schleifen), Zeug durch die Gegend zu schleppen und aufzuräumen. Mit anderen Worten muss wahrscheinlich auf den Rechnungen für jeden Schweisser auch ein Assistent auftauchen damit es Gesetzeskonform ist aber ob ich nun wirklich daneben stehe interessiert niemanden.

Diese Einstellung setzte sich auch hier wieder so fort. Ob es nun um das strikte Alkoholverbot (ohne Bier hat sich da vor der Schicht niemand dazu berufen gefühlt, sich in Richtung Auto zu bewegen), das Rauchverbot in den Autos (hab ich je in einem von den Autos gesessen ohne das mindestens 2 Zigaretten an waren?!), das melden potentieller Gefahrenquellen oder die Einweisung in die arbeitsplatzspezifischen Sicherheitsvorschriften ging – es war einfach scheissegal. Am geilsten war der Philippino mit dem ich zusammengearbeitet hab. Eines Nachts machte sich die fehlerhafte Isolierung der Schweissleitung (da gehen schonmal 100 Ampere durch) mit einem recht deutlich vernehmbaren zischen und einem riesigen Lichtball bemerkbar, als die Leitung durch einen unglücklichen Zufall Kontakt zum Schiffsdeck bekam. Er trat sie einfach zur Seite um die Verbindung zum Schiffsdeck zu trennen und packte nen Stück Plastik drunter. Als ich meine Bedenken äusserte bekam ich nur ein „aah no worries, its good“ zu hören.
Auch der Umgangston auf dem Schiff unterschied sich geringfügig zu dem, was man aus unserem höflichen serviceorientierten Deutschland her kennt. Manche Leute waren nicht in der Lage 5 Worte zu einem Satz zu verbinden ohne mindestens einmal das Wort „fuck“, „fucking“, „fucked up“ oder eine der vielen anderen Konjunktionen dieses Wortes in den Wortfluss zu integrieren.
Wie auch immer, für die Paar Tage hab ich den Job echt gefeiert :D

Nach dem Job war dann erstmal wieder Ruhe. Jegliche Streifzüge durch die LIA (Indusriegebiet), Anrufe bei Firmen und Besuche in Arbeitsvermittlungen verliefen im Nichts. Bis ich dann eines schönen Tages einen Anruf von Monadelphous erhielt.

Monadelphous ist einer der größten Serviceprovider der australischen Miningindustrie. Ziemlich schwierig in den Sektor rein zu kommen aber mit meinen dutzenden Anrufen und unzähligen Mails schien ich den Jungs genug auf den Sack gegangen zu sein um mich zu qualifizieren. Nachdem ich den “Recruitment Consultant” in unserem etwa 20 minütigen Telefoninterview mit reichlich befriedigenden Antworten gefüttert hatte, lud er mich in die nächste Runde ein (Tauglichkeitstests). Der Job für den ich mich qualifiziert hatte trug die Bezeichnung „Trade Assistant for a Gasplant Shutdown“. Was ich da nun genau machen sollte wusste ich nicht, nur das ich 12 Stunden pro Tag an 13 Tagen pro „fortnight“ (2 Wochen) für insgesamt 5 Wochen lang arbeiten würde und dafür 50 Dollar pro Stunde bekomme. Bei freier Unterkunft und Essen macht das am Ende ein Plus von über 10 000 Dollar, das lohnt sich!
Und was zur Hölle hat mich nun dazu bewegt diesen Überjob sausen zu lassen?!?!?
Das erfahrt ihr in der nächsten Folge, wenn es wieder heißt….

Achja und natürlich auch noch nen paar Bilder:

 

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